Frühstück ab 7

Die Zeit ist wieder schneller gerannt, als gedacht. Dreimal um die eigene Achse gedreht und einmal die Hacken zusammengeschlagen, schwupp ist es schon gleich Ende März. Zeit für den Bauern und seine Rösslein, Zeit für das alljährliche Aufseufzen und Begrüßen der Vögelein, der Sonnenstrahlen und der allergischen Niesanfälle.
Zeit für die alljährlichen Krötenschilder.

Hier im norddeutschen Tiefland scheint es eine gar mannigfaltige Krötenpopulation zu geben. Geht man nach den Krötenschildern. Bewegt man sich gen Osten so begegnet man z.B. den Langsamen Wanderkröten, die queren die Landstraße von 18:00 Uhr bis 10:00 Uhr am nächsten Morgen. Für die krötenschonende Fahrweise eines KfZ bedeutet das hier 40km/h. Drei Kilometer weiter in Richtung Westen gedacht wandern die Turbokröten – nämlich von 7:00 bis 11:00 Uhr. Da die Kröten hier schneller queren, dürfen auch die Kraftfahrzeuge schneller vorbeihuschen, nämlich mit höchstens 50km/h. Ein bisschen in den Süden geschaut trifft man sich zum fröhlichen Wandern von 5:00 bis 10:00 Uhr. Hier ist die Geschwindigkeitsbegrenzung nicht dem Charakter der Tiere angeglichen, hier will man nicht mehr als 30 km/h auf dem Tacho sehen.
Wäre ich Kröte, müsste ich mich wohl für ein Tempo, eine Lieblingsuhrzeit und eine Landstraße entscheiden.

Nun bin ich aber keine Kröte und zwei der drei Landstraßen liegen so, dass ich mich für eine entscheiden muss, will ich zur Arbeit kommen. Ich lebe in der zweitgrößten Stadt Niedersachsens und arbeite in einem Dorf mit gefühlt 200, laut Wikipedia tatsächlich 1200 Einwohnern und, glaubt man den Schildern, Massen von umherwandernden Kröten. Auf dem platten Land. in der Pampa. 20 Kilometer ins Nirgendwo. Da müssen wir uns auch erst gar nicht über öffentliche Verkehrsmittel Gedanken machen. Also fahre ich ab Mitte Februar die Landstraßenholperstrecke, an der die Turboamphibien angesiedelt sind.
Und jeden Morgen sehe ich links im Graben ein bis zwei Personen, die Ausschau nach den possierlichen Tierchen halten um sie zu retten und rechts der Straße ein vielfaches an Störchen und Kranichen auf dem Feld aufgereiht, die an Rettung nicht interessiert sind sondern sich wohl eher mit Frühstücksgedanken tragen.

Im Büro angekommen ergehen sich die Herren in den alljährlichen Allmachtsphantasien, was sie alles ändern würden, wären sie die Bestimmenden über Krötenschilder, Krötenwanderwege und Krötensammler. Jedes Jahr wieder müssen die Geschichten aus der Jägerfraktion herhalten, dass die gefüllten Kröteneimer ja nur der Fütterung der Wildschweine dienen. Mutig wird darüber sinniert, wie man möglichst unerkannt die freiheitsbegrenzenden Schilder übermalen, abmontieren und einer Fremdbestimmung zuführen kann. Und immer wieder die Litanei, dass regelmäßig an den betreffenden Strecken geblitzt wird. Und jedes Jahr wieder frage ich mich, warum dieses Thema die Gemüter so erhitzt. In alle den Jahren, habe ich übrigens noch nie eine Kröte auf einer der Strecken entdeckt. Die halten sich nicht an die Vorgaben, die Viecher.

Wie gut, dass bald April ist. Dann sind Fußball und die schrecklichen Verbotsgrünen wieder Thema.

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